Nach dem Wahlsieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2024 stand dem neu gewählten Präsidenten das Recht zu, hunderte Positionen in den Regierungsbehörden und Ministerien zu besetzen. Wie auch andere Präsidenten vor ihm wählte Trump für wichtige Positionen im Kabinett und den Regierungsbehörden Kandidaten aus, die seine politische Linie vertreten.

Im Sinne des Systems der Checks and Balances müssen die Nominierungen des Präsidenten durch den Senat bestätigt werden. Die Republikaner hatten bei den Wahlen aber auch die Mehrheit in diesem Gremium errungen und da nur noch sehr wenige republikanische Abgeordnete andere Positionen als Trump vertreten, war die Bestätigung auch kontroverser Kandidaten in den meisten Fällen reine Formsache. Kritiker befürchten, dass die Kandidaten vorrangig nach Aspekten der Loyalität gegenüber Trump und weniger nach fachlichen Qualifikationen ausgewählt wurden.



Vice President / Vizepräsident:
J.D. Vance
(geboren: 1984, Herkunftsstaat: Ohio)
Für die Position hatte Trump bereits im Juli 2024 den ehemaligen Senator und Buchautor J.D. Vance benannt, der zusammen mit Trump von der Bevölkerung gewählt wurde. Vance gilt, nach früherer, scharfer Kritik an Trump, inzwischen als loyaler Unterstützer und eingefleischter Vertreter der MAGA-Bewegung. Der Vizepräsident ist der erste in der Rangfolge der Nachfolge eines Präsidenten und fungiert als Präsident des Senats. Vance gilt als konservativ und populistisch, er selbst beschreibt sich als katholisch beeinflusster Postliberaler. In seiner kurzen Zeit als Senator brachte er ein Gesetz ein, das die Finanzierung von Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsmaßnahmen aus dem Bundeshaushalt eliminieren würde.
Ausführliches Porträt von JD Vance


Secretary of State / Außenminister:
Marco Rubio
(geboren: 1971, Herkunftsstaat: Florida)
Rubio ist kubanischer Abstammung und gilt als scharfer Gegner Russlands und Chinas, das gegen ihn bereits zweimal Sanktionen erlassen hat. 2016 hatte Rubio sich selbst noch um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben und war im parteiinternen Wahlkampf an Trump gescheitert, den er damals einen „Betrüger“ und „völlig ungeeignet für das Amt des US-Präsidenten“ genannt hatte. In Trumps Kabinett ist Rubio wohl derjenige mit der größten politischen Erfahrung. Er war zuvor Abgeordneter in Florida, saß danach im US-Repräsentantenhaus und ist von 2011 bis zur Übernahme des Außenministeriums Senator für seinen Heimatstaat gewesen. Im Jahr 2013 gehörte er zu einer Gruppe von Senatoren aus beiden Parteien, die einen Gesetzentwurf vorlegten, der illegalen Einwanderern einen Weg zur Erlangung der Staatsbürgerschaft geebnet hätte. Auch in den folgenden Jahren war Rubio einer derjenigen Senatoren, die am häufigsten mit den Vertretern der anderen Partei zusammenarbeiteten. Den Sturm auf das Kapitol m Januar 2021 bezeichnete er als „unpatriotisch“ und „Anarchie wie in der Dritten Welt“. Er stimmte jedoch dagegen, Trump für dessen Rolle in dem Ereignis zu verurteilen. Als Interimschef der Entwicklungshilfebehörde US Aid fiel es Rubio noch im Januar 2025 zu, sämtliche Entwicklungshilfezahlungen der USA für 90 Tage zu stoppen. Er unterstützt Trumps Pläne, Grönland zu übernehmen und schließt auch die Anwendung von militärischem Zwang nicht aus.


Secretary of Defense / Verteidigungsminister:
Pete Hegseth
(geboren: 1980, Herkunftsstaat: Minnesota)
Hegseth diente in verschiedenen Positionen im US-Militär, unter anderem im Irak, in Afghanistan und in Guantanamo. Er verfügt über keine nennenswerte politische Erfahrung. Er ist einer breiteren Öffentlichkeit bekannt als Co-Gastgeber einer Sendung auf dem konservativen Sender Fox News. Auf älteren Fotos von Hegseth ist zu sehen, dass er mehrere Tattoos trägt, die auf eine Verbindung zur rechtsradikalen Szene hinweisen. Ab 2006 arbeitete er als Präsident einer politischen Veteranenorganisation in New York. Weil die Organisation in den nächsten Jahren große Schulden aufbaute, wurde Hegseth von seiner Position abgesetzt. 2012 scheiterte sein Plan, republikanischer Kandidat für den US-Senat für Minnesota zu werden. Vier Jahre später musste er wegen Missmanagements- und Alkoholismusvorwürfen eine weitere Veteranenorganisation verlassen. Bereits ab 2014 war Hegseth zudem regelmäßig bei Fox News zu sehen, wo seine Meinungsbeiträge wiederholt von Trump während dessen erster Amtszeit aufgegriffen wurden. Während seiner Befragungen im Senat im Rahmen der Nominierung tauchten in der Öffentlichkeit erneut Vorwürfe auf, er sei alkoholabhängig und verhalte sich missbräuchlich gegenüber Frauen. Die Abstimmung über seine Nominierung im Senat endete mit einem 50:50-Stimmengleichstand, so dass Vizepräsident Vance die entscheidende Stimme zu seinen Gunsten abgab.


Secretary of Homeland Security / Heimatschutzministerin:
Kristi Noem
(geboren: 1971, Heimatstaat: South Dakota)
Kristi Noem war bis zur Bestellung als Ministerin die Gouverneurin des Bundesstaats South Dakota und erlangte in dem Amt landesweite Bekanntheit, als sie sich während der COVID-Pandemie weigerte, in ihrem Bundesstaat eine Maskenpflicht einzuführen. Sie ist eine der profiliertesten Vertreter der MAGA-Bewegung und unterstützte den Einreisebann gegen Angehörige muslimischer Staaten in Trumps erster Amtszeit. Nach abfälligen Bemerkungen über amerikanische Ureinwohner erhielt Noem ein Betretungsverbot für sieben Reservate im eigenen Bundesstaat. In ihrer Position ist sie dafür verantwortlich, Trumps Versprechen von „massenhaften Abschiebungen“ in die Tat umzusetzen.


Secretary of Health / Gesundheitsminister:
Robert F. Kennedy Jr.
(geboren: 1954, Heimatstaat: Massachusetts)
Der Neffe von John F. Kennedy war 2024 zunächst selbst als unabhängiger Präsidentschaftskandidat angetreten, bevor er zugunsten Trumps zurückzog. Er ist Gründer und Leiter eines Verbands, der sich gegen Impfungen einsetzt und machte wiederholt Schlagzeilen, indem er Verschwörungstheorien rund um Impfungen verbreitete. In einem Buch, das sich mit vehementen Angriffen gegen Fürsprecher der Covid-Impfungen wie Bill Gates oder Anthony Fauci richtet, bestreitet er zudem, dass das HI-Virus der alleinige Auslöser von AIDS ist. Zuvor war er als Umweltanwalt tätig und setzte sich für den Umwelt- und Gewässerschutz sowie für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein. Mehr als 17.000 Ärztinnen und Ärzte hatten sich vor Kennedys Anhörung in einem offenen Brief an den Senat gegen seine Nominierung.



Attorney General / Generalstaatsanwältin, Justizministerin:
Pam Bondi
(geboren: 1965, Heimatstaat: Florida)
Nach dem Rückzug des eigentlich für die Position nominierten Matt Gaetz stellte Trump noch am selben Tag Pam Bondi als Kandidatin vor. Bondi war Generalstaatsanwältin von Florida und gehörte zu Trumps Verteidigungsteam während des ersten Amtsenthebungsverfahrens. Während der ersten Amtszeit hatte Trump vom Justizminister erwartet, dass dieser ihn schützt, daher dürfte Bondi vor allem wegen ihrer Loyalität ausgewählt worden sein. Schon 2016 auf dem republikanischen Parteitag hatte sie die Sprechchöre „Lock her up“ gegen Hillary Clinton angeführt. Dem Attorney General fällt die Leitung von Behörden wie dem FBI zu und könnte Trumps Drohung in die Tat umsetzen, gegen seine Feinde vorzugehen.


Secretary of Education / Bildungsministerin:
Linda McMahon
(geboren: 1948, Heimatstaat: Connecticut)
McMahon war schon im ersten Trump-Kabinett als Leiterin der Regierungsbehörde für kleine und mittlere Unternehmen aktiv. Sie ist in der Öffentlichkeit vor allem als ehemalige Präsidentin von World Wrestling Entertainment bekannt. Zusammen mit ihrem Ehemann hatte McMahon mehrere Millionen Dollar an die inzwischen aufgelöste Donald-Trump-Stiftung gespendet. In der Bildungspolitik hat sie kaum Erfahrungen, abgesehen von einer einjährigen Amtszeit im bildungspolitischen Beirat vom Connecticut. 2010 und 2012 trat sie zweimal erfolglos bei der Wahl um den Senatssitz des Bundesstaats an. Mit dem Bildungsministerium übernimmt sie ein Ressort, das Trump eigenen Worten zufolge abschaffen will.


Director of National Intelligence / Direktorin der nationalen Geheimdienste:
Tulsi Gabbard
(geboren. 1981, Heimatstaat: Hawaii)
Die ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus gehörte früher der demokratischen Partei an, wechselte aber 2022 zu den Republikanern. Noch 2020 hatte sie sich selbst um die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten beworben. Sie ist seitdem vor allem mit der Verbreitung von russischen Propaganda-Narrativen in Erscheinung getreten – im russischen Staatsfernsehen wurde sie als „unsere Freundin“ bezeichnet. Schon wenige Stunden nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine hatte Gabbard der NATO die Schuld daran gegeben, zudem bezichtigte sie die amerikanischen Nachrichtendienste der Falschinformation im Hinblick auf den Giftgaseinsatz des syrischen Diktators Assad.


Director of the Federal Bureau of Investigation / Direktor des FBI:
Kash Patel
(geboren: 1980, Heimatstaat: New York)
Patel ist der Sohn indischer Einwanderer und arbeitete nach dem Studium zunächst als Pflichtverteidiger im Strafrecht. Er wurde 2018 landesweit bekannt, als er, damals für den Leiter des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus arbeitend, ein Memo entwarf, das dem FBI ein Fehlverhalten in Ermittlungen gegen Trumps Umfeld vorwarf. Anschließend stieg er in den Kreisen der ersten Trump-Regierung schnell auf und nahm verschiedene Positionen ein, unter anderem als inoffizieller Berater in der Ukraine-Politik. Kritiker merkten an, dass Patel für viele Themen über so gut wie keine Expertise verfügte; trotzdem zählte er schnell zu Trumps engstem Kreis. In den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit wollte Trump Patel auf Führungspositionen beim FBI oder der CIA berufen, was vom damaligen Justizminister Barr und Vizepräsident Pence verhindert wurde. Die CIA leitete eine Untersuchung gegen Patel ein, weil er unsachgemäß mit streng geheimen Unterlagen umgegangen sein soll. Nach dem Ende der ersten Trump-Regierung schärfte Patel sein Profil in der MAGA-Community weiter. So war er in zahlreichen Podcasts und Formaten zu Gast, in denen er eine Vielzahl von Verschwörungstheorien verbreitete.


White House Chief of Staff / Stabschef des Weißen Hauses:
Susie Wiles
(geboren: 1957, Heimatstaat: New Jersey)
Die politisch weitgehend unbekannte Susie Wiles arbeitete 2016, 2020 und 2024 in leitenden Positionen in Trumps Wahlkampfteams. Zwischen 2017 und 2024 war sie als Lobbyistin für mehr als 40 Firmen und Organisationen registriert. Als 2023 das Verfahren gegen Trump wegen des fahrlässigen Umgangs mit geheimen Dokumenten lief, erhielt Wiles ebenso wie andere Mitarbeiter, die als Zeugen vorgeladen waren, erhöhte Zahlungen von Trump.


Administrator of the Environmental Protection Agency / Leiter der Umweltbehörde:
Lee Zeldin
(geboren: 1980 Heimatstaat: New York)
Mit dem ehemaligen Abgeordneten im Repräsentantenhaus für New York übernimmt ein Politiker den Posten als oberster Umweltschützer der USA, der sich selbst als Gegner des Pariser Klimaschutzabkommens bezeichnet. Zeldin bestätigt aber, dass der Klimawandel ein Problem sei, dass es anzugehen gelte. Er ist ansonsten vor allem als bedingungsloser Unterstützer Trumps in Erscheinung getreten. 2022 war er zur Wahl zum Gouverneur von New York angetreten, scheiterte aber. In den sonstigen Themengebieten zeigte Zeldin ein konservatives Abstimmungsverhalten.


„Border Czar“ / Verantwortlicher für die Außengrenzen:
Tom Homan
Ein hartes Vorgehen gegen illegale Immigration war ein zentrales Motiv von Trumps Wahlkampf. Der ehemalige Polizist Homan (geboren 1961), der schon in der ersten Trump-Regierung in dem Thema tätig war, bekommt als übergeordneter Verantwortlicher die Aufgabe, Trumps Versprechen in die Tat umzusetzen, alle illegalen Einwanderer abzuschieben. Homan war 2018 maßgeblich an der Vorgehensweise der Trennung von Kindern und Eltern bei aufgegriffenen, illegalen Immigranten beteiligt.


Commissioner of the Department of Government Efficiency / Leiter der Beratungskommission für Regierungseffizienz: Elon Musk
Die neugeschaffene Kommission, die entgegen des Namens kein Ministerium ist, ist Berichten zufolge auf Musks Betreiben hin ins Leben gerufen worden. Der gebürtige Südafrikaner und Betreiber der Plattform X hatte erhebliche Summen für Trumps Wahlkampf gespendet. Musk behauptet, den Staatshaushalt innerhalb weniger Monate mit Maßnahmen zu Effizienzsteigerung und Einsparungen um 2 Billionen Dollar kürzen zu können. Die Person Musk ist dabei kontrovers: Seine Firmen erhalten selbst aus dem Staatshaushalt finanzierte Aufträge. In den ersten Tagen der zweiten Trump-Administration verschafften sich Mitarbeiter von Musks Kommission Zugang zu Behörden und Ministerien und auch zu sensiblen persönlichen Daten von US-Bürgern.


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